Mittwoch, 11. Juli 07
Heute ist es also soweit: der zweite Online-Journalismus Tag am Campus Dieburg startet um 11 Uhr. Für diejenigen, die es nicht nach Dieburg geschafft haben, werden wir heute den ganzen Tag live von der Veranstaltung an dieser Stelle berichten. Die ersten Gäste trudeln langsam ein, in wenigen Minuten geht’s los. Und ganz wichtig: Es ist genug Kaffee für alle da!
11.10 Uhr: Kleine Verspätung, aber jetzt geht’s endlich los. Professor Lorenz Lorenz-Meyer, Leiter des Studiengangs Online-Journalismus, begrüßt die Gäste und eröffnet offiziell den zweiten Online-Journalismus Tag am Campus Dieburg. Und auch der Vize-Präsident der Hochschule Darmstadt Gerhard Knorz lässt es sich nicht nehmen, ein paar warme Worte an die Gäste zu richten.
11.14 Uhr: Für alle, denen das Mitlesen alleine nicht reicht, gibt es bei Flickr eine Fotogalerie mit den besten Schnappschüssen des OJ-Tages.
11.21 Uhr: Dr. Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut München beginnt mit ihrem Vortrag zum Thema “Kinder, eine schwierige Zielgruppe für den Onlinejournalismus?”
11.25 Uhr: Ihre zentrale Frage: Muss Journalismus für Kinder auch deren Eltern und Erziehern gefallen?
11.30 Uhr: Ein paar Fakten: In immerhin 89 Prozent der Haushalte ist ein Computer vorhanden. Davon haben rund 81 Prozent der Kinder Zugang zum Internet. 14 Prozent gehen täglich ins Netz, rund 42 Prozent wöchentlich.
11.32 Uhr: Der Computer ist trotz aller Initiativen (”Schulen ans Netz”) noch nicht an den deutschen Schulen angekommen. Viele Lehrer stehen technischen Neuerungen skeptisch gegenüber. Aber: Vor allem in den neuen Bundesländern ist zumindest die technische Ausstattung vorhanden.
11.40 Uhr: Kinder stehen dem Internet sehr aufgeschlossen gegenüber, aber nur ein Drittel der Jugendlichen nimmt sich ausreichend Zeit, um sich eingehender mit den angesurften Websites zu beschäftigen, wie das Beispiel toggo.de zeigt. Die Seite wird von Kindern zwar relativ lange besucht, in 20 Minuten Onlinezeit schauen sie sich allerdings nur ca. 30 Seiten an.
11.48 Uhr: Welche Interessen verfolgen Kinder im Netz? Kinder im Vor- und Grundschulalter in erster Linie das Spielen. Während in diesem Alter Jungen sowie Mädchen noch die gleichen Interessen haben, unterscheiden sich diese ab dem achten Lebensjahr.
11.54 Uhr: “Wenn man eine Website für Kinder macht, muss man auch schauen, dass Kinder die Website gut finden!”
11.56 Uhr: Überladene Websites mit Pop-Ups und komplizierter Navigation erschweren Kindern den Zugang zu den Inhalten. Ergo: “Das Internet war früher schöner für Kinder.”
12.04 Uhr: “Die beste Verknüpfung ist die von On- und Offline-Medien. Beispiel: geolino.de”
12:06 Uhr: Trotz allem: Seit 1988, als es eine Riesendiskussion um die Kinder-Nachrichtensendung “Logo” gab, hat sich bereits einiges im Journalismus für Kinder getan!
12.09 Uhr: Der Moderator der anschließenden Podiumsdiskussion, Professor Klaus Meier, freut sich über “provokante Thesen”, die gleich ausdiskutiert werden sollen. Zunächst beantwortet Christine Feil aber noch Fragen aus dem Publikum.
12.15 Uhr: Feil kritisiert die sogenannte “Nabelschau”, auch der seriösen Presse, bei der z.B. Details aus dem Privatleben eines Politikers wichtiger sind, als seine eigentlichen politischen Vorstellungen. Bereits bei den Kinder-Medien gibt es eine Tendenz zu diesen “weichen” Informationen.
12.16 Uhr: Der Online-Journalismus Tag 2007 hat gut begonnen. Jetzt ist aber erstmal eine 15-minütige Kaffeepause angesagt.
12:33 Uhr: Und weiter geht’s. Auf der Bühne haben Sabine Berthold (hanisauland.de), Christoph Dernbach (dpa JuniorLine), Sabine Stampfel (SWR-Kindernetz) und Stefan Müller (blindekuh.de) Platz genommen. Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Prof. Dr. Klaus Meier, Dozent an der Hochschule Darmstadt, der erstmal die Teilnehmer einzeln vorstellt.
12.44 Uhr: Sabine Berthold stellt hanisauland.de vor. Es sei nicht ganz so einfach, Nachrichten kindgerecht aufzubereiten. Kernbestandteil der Seite sind die Comics und das Lexikon. “Wir wollen politische Basiselemente vermitteln,” sagt Berthold. Kinder sollen für Politik Interesse zeigen. Am Anfang dümpelte die Seite mit relativ niedrigen Besucherzahlen vor sich hin, mittlerweile besuchen aber mehr als 270.000 Leute im Monat die Page.
12.47 Uhr: Sabine Stampfel vom SWR hat das Wort. Auch sie stellt zunächst das eigene Angebot vor und weist insbesondere auf das Projekt “Kinder-Reiseführer” hin, bei dem Kinder ihre Stadt in Eigenregie im Netz vorstellen können.
12.56 Uhr: Stefan Müller von blindekuh.de erzählt über die Entstehung seiner speziell für Kinder entwickelten Suchmaschine. Vorbild dafür war der Yahoo-Ableger “Yahooligans”.
13.02 Uhr: Der “Blinde Kuh”-Mitgründer geht auf die Funktionen der Suchmaschine ein. Problematisch sind teilweise die Suchanfragen der Kids. Beispielhaft nennt er Fälle, in denen Kinder Mathe-Aufgaben von der Suchmaschine berechnen lassen wollten. Zudem müssen einige Suchbegriffe, wie z.B. “Counter Strike” aus Altersgründen “zensiert” werden, was nicht bei allen Kindern gut ankommt…
13.12 Uhr: Die dpa hat mittlerweile einen eigenen Nachrichtendienst für Kinder. Abnehmer sind hauptsächlich Seiten von Tageszeitungen, die der dpa auch den Anstoß für die dpa JuniorLine gaben. Christoph Dernbach stellt das Angebot vor.
13.17 Uhr: Lediglich drei Tageszeitungen stellen in Deutschland täglich eine Seite ihrer Zeitung für Kinder-Themen zur Vefügung. Daher überwiegt in den Print-Medien häufig noch das Anteasern von Themenschwerpunkten, die dann im Netz wieder aufgegriffen und weiter vertieft werden. Die dpa versucht durch animierte Infografiken auch schwierige Sachverhalte, wie z.B. die Funktionsweise einer Biogasanlage, kindgerecht zu erklären.
13.24 Uhr: Zum Schluss der Diskussionsrunde wieder Fragen aus dem Publikum. Sabine Berthold und Sabine Stampfel gehen auf die Problematik ein, dass es schwer ist, tagesaktuelle Nachrichten für Kinder anzubieten. Oftmals müssen außer dem Thema auch einzelne Begriffe erklärt werden, was den Redaktions-Aufwand ungleich erhöht.
13.29 Uhr: Frage aus dem Publikum: Was sind die häufigsten Suchbegriffe bei blindekuh.de? Antwort: Die Palette der Suchbegriffe ist breit, am häufigsten wird nach Tiernamen wie “Ameise” oder “Hirsch”, Begriffen wie “Feuer” oder “Streichholz”, Informationen aus der Region und Suchbegriffen zu aktuellen Themen gesucht.
13.33 Uhr: Frage an Christoph Dernbach: Was ist das richtige Alter um Kinder an die Zeitung heranzuführen? Antwort: Ab dem Erwerb der Lesefähigkeit, also ca. in der zweiten Klasse.
13.38 Uhr: Wo sehen Sie Ihr Angebot in fünf Jahren? Sabine Berthold wünscht sich eine stärkere Internationalisierung der Kinder-Nachrichten, vor allem europäische Politik kommt ihrer Meinung nach noch zu kurz. Christoph Dernbach geht von einer sinkenden Vielfalt innerhalb der deutschen Medienlandschaft aus, die die Verbreitung von Nachrichten für Kinder eher erschwert. Christine Feil wünscht sich eine Filtersoftware für das Netz, die Kinder vor negativen Inhalten schützen kann und gleichzeitig in ihrer Inhalts-Auswahl nicht unnötig einschränkt.
13.45 Uhr: Das war’s erst einmal. Bis 15 Uhr ist Mittagspause. Draußen am Empfang warten belegte Brötchen sowie kalte und warme Getränke zur Stärkung. Bis dahin sind auch hoffentlich die technischen Schwierigkeiten mit dem WLAN-Empfang gelöst, die den Live-Bloggern die Arbeit leider erschweren.
15.06 Uhr: Mit einer kleinen Verzögerung geht’s mit dem Panel “Ihr seid gefragt! Was wollen Teens und Twens vom Online-Journalismus?” weiter. Einleitend hält Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer, Studiengangsleiter Online-Journalismus, einen 45-minütigen Vortrag.
15.14 Uhr: Ein paar Fakten zur Mediennutzung der Teens: 60 Prozent der Jugendlichen besitzen einen eigenen PC, 35 Prozent verfügen über einen Internetzugang. Die Lieblingsbeschäftigung der Teens im Netz ist zu 56 Prozent das Surfen, 21 Prozent fallen aufs Spielen und 23 Prozent auf die Arbeit/Schule zurück. Interessant: Nachrichtenseiten werden wesentlich häufiger von Jungen genutzt, als von Mädchen.
15.22 Uhr: “Das Internet als journalistische Plattform bietet sich an”, sagt Lorenz-Meyer. Überleitend werden die bekanntesten Jugendmedien vorgestellt: Neon, Focus Campus, Spiesser, Viva, MTV… zum Glück, haben wir einige Vertreter als Referenten gewinnen können.
15.30 Uhr: Kein Thema sollte von vorneherein ausgeschlossen werden. Auch weiche Themen müssen nicht unter den Tisch fallen, denn wenn man es richtig dreht, kann selbst Paris Hilton noch eine durchaus interessante Story liefern. Wichtig dabei: Ein hoher Grad an Personalisierung und die direkte Ansprache der Zielgruppe.
15.37 Uhr: Kontroverse ist wichtig! Das Pro- und Contraformat ist ein erfolgreiches Konzept. Zudem sollen die Leser auch die Möglichkeit haben, mitteilen zu können, was sie über ein Thema denken.
15.45 Uhr: “Können nur junge Leute Medien für junge Leute machen?” Eine Frage, auf die auch später in der Podiumsdisskusion eingegangen werden soll. Fakt ist, dass Redakteure der Jugendmedien in der Regel mit Zeitverträgen (~2 Jahre) ausgestattet werden.
15.49 Uhr: Lorenz-Meyer beendet seinen Vortrag und leitet über in die nächste Kaffeepause.
16.10 Uhr: Und weiter geht’s mit der nächsten Diskussionsrunde. Diesmal auf dem Podium: Loan Brossmer (Focus Campus), Christian Flierl (neon.de) und Jörg Flachowsky (spiesser.de). Moderiert wird das Panel durch Prof. Dr. Annette Leßmöllmann von der Hochschule Darmstadt.
16.19 Uhr: Bevor die Fragerunde mit den Referenten startet, stellt Annette Leßmöllmann zunächst die einzelnen Plattformen und ihre Vorzüge vor.
16:22 Uhr: Christian Flierl spricht von einem gegenseitigen Interesse, das Print- und Onlineredaktion am jeweiligen Pendant haben. Beide Seiten profitieren von der Zusammenarbeit, sei es durch das virale Marketing im Netz, das natürlich auch die Verkaufszahlen des Magazins ankurbelt, oder durch die Stärkung der Online-Marke “Neon” durch die Print-Ausgabe.
16.29 Uhr: Spiesser-Redaktionsleiter Flachwosky ist von nutzergenerierten Inhalten nicht hundertprozentig überzeugt. Trotzdem arbeitet der Spiesser mit zahlreichen jungen, talentierten Autoren zusammen - Flachowsky ist mit 29 Jahren der Älteste in der Redaktion.
16.35 Uhr: Beim Focus Campus schreiben nur Redakteure, erzählt Chef-Redakteur Loan Brossmer. Dazu helfen sechs bis acht Studenten aus. Deswegen bezeichnet er das Redaktionsmodell auch eher als “altmodisch”. Ansonsten: Viele Themen liefert die Bloggerszene der Redaktion.
16.40 Uhr: Schuld daran, dass Focus Campus “nur” als PDF-Version und nicht gedruckt erscheint, ist laut Loan Brossmer der Irrglaube innerhalb des Burda-Verlages, dass ein PDF-Magazin billiger herzustellen sei, als ein Print-Magazin und sich dadurch schneller rentieren würde.
16.47 Uhr: Christian Flierl erzählt von seinen “Kämpfen” mit den “klassischen” Journalisten, die erst davon überzeugt werden mussten, dass es keine Herabsetzung der eigenen Leistung ist, wenn ihre Artikel direkt neben den Texten von “normalen” Nutzern erscheine.
16.48 Uhr: Neon-Redakteur Flierl zum Zitat auf neon.de: “Das Internet ist ein hässlicher Ort!” Antwort: “Ist es auch! Wäre das Internet tatsächlich ein physischer Ort, wäre es die Hölle!” Immerhin seien 90 Prozent der Blogs wertlos und uninteressant.
16.52 Uhr: Spiesser-Redaktionsleiter Jörg Flachowsky über die Expansionspläne des Magazins: “Wir werden unseren Leitlinien treu bleiben, denn die Probleme im Osten sind denen im Westen sehr ähnlich.”
16.56 Uhr: Auf die Frage, ob es in absehbarer Zeit eine Trendwende weg von kostenlosen Inhalten, hin zum Paid Content geben wird, antworten sowohl Christian Flierl, als auch Jörg Flachowsky, dass das, zumindest für ihre Magazine, bis auf Weiteres ausgeschlossen sei.
17.04 Uhr: Die Kommentar-Funktion ist übrigens nicht umsonst in dieses Blog integriert… ;)
17.06 Uhr: Loan Brossmer ergänzt zur Frage aus dem Publikum nach dem Paid-Content, dass er “dieses Dogma, dass Online-Content immer kostenlos sein muss” nicht versteht.
17.12 Uhr: Jörg Flachowsky: “Unsere Rätselseite ist quasi die Konkurrenz zum Mathelehrer.”
17.15 Uhr: Das wir jetzt erstmals den Zeitrahmen sprengen, verdeutlicht, dass das Interesse an den Referenten und ihren Formaten im Publikum groß ist. Seit 15 Minuten werden fleißig Fragen von den Referenten beantwortet.
17.22 Uhr: Auf die Frage, ob multimediale Inhalte überhand nehmen könnten, antwortet Brossmer, dass in Zukunft sicherlich verstärkt Videos und auch die Vertonung bestimmter Artikel/Projekte eine Rolle spielen werden. Dadurch besteht natürlich die Gefahr, dass durch die damit verbundenen Anforderungen an die Journalisten mittelfristig die journalistische Qualität leidet.
17.32 Uhr: Den Vorwurf, in Neon stecke zu wenig Politik, kann Flierl nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, es würden sich sehr viele politische Inhalte in den Artikeln wiederfinden, wenn man sie denn sehen will. Beispiel: “Wann ist der richtige Zeitpunkt Kinder zu kriegen?”
17.41 Uhr: Man könnte noch stundenlang weiterdiskutieren, aber da viele Gäste zum Zug müssen, endet der Online-Journalismus Tag 2007 mit einem Schlusswort von Lorenz Lorenz-Meyer, der sich noch einmal recht herzlich beim Organisations-Team bedankt.
